Einstieg ins M-System – gebrauchte Objektive

Im ersten Teil dieses Berichtes haben wir uns mit der Wahl der richtigen Einstiegs-Messsucherkamera befasst. Ich hatte mich dabei vornehmlich auf die Alltagstauglichkeit und das optimale Preis-Leistungsverhältnis konzentriert und war daher recht klar bei der M Typ240 gelandet.

Nun sollten wir in unserem Budget irgendwo zwischen 2.500 EUR* und 3.500 EUR* liegen. Das ist natürlich ziemlich viel Geld und aus diesem Grunde werden wir bei den Objektiven jetzt definitiv nicht über das Thema Summilux oder Noctilux sprechen.

An dieser Stelle ein kurzer Einwurf: ich spreche im Folgenden häufig von „Einsteigern“. Damit ist natürlich nicht der klassische Fotografie-Einsteiger gemeint. Im vorigen Teil hatte ich meine Zielgruppe definiert (bitte im Zweifel nachlesen): ich richte mich an den erfahrenen Hobbyfotografen, der in das Thema Messsucherfotografie eingsteigen möchte. Diesen Kontext bitte ich zu beachten.

Zielsetzung

Für den ersten Kontakt mit dem Leica-M-System präferiere ich grundsätzlich gebrauchte moderne Leica-Optiken mit 6-bit-Codierung (eine Erklärung dazu folgt weiter unten), im Lichtstärkebereich F2.0 und „schlechter“. Diese hauseigenen Objektive sind optimal auf die Kamera abgestimmt, generell von sehr hoher Qualität und umstandsfrei verwendbar (gerade für einen Einsteiger wichtig).

Ich gehe jedoch auch auf einige Voigtländer-Objektive ein, vornehmlich im Bereich der „Spezialbrennweiten“ – gemeint sind dabei Brennweiten, die man nicht jeden Tag verwendet. Mit Zeiss kann ich kaum praktische Erfahrungen vorweisen und möchte daher auch keine Empfehlungen abgeben. Es gibt aber auch dort einige sehr gute Budget-Optiken.

6-bit-Codierung

Leica-M-Objektive arbeiten rein mechanisch. Naturgemäß war daher nie eine elektronische Koppelung zum Kamerabody vorgesehen – oder auch notwendig. Mit der Einführung der ersten digitalen M, der M8, änderte sich das insofern, als dass die Kamera in der Lage sein musste, Vignettierung oder Farbverschiebungen im Randbereich der Bilder ausgleichen zu können (weil ein Sensor diesbezüglich viel problematischer als Film ist). Dafür musste die Kamera aber wissen, welches Objektiv angesetzt ist. Die offensichtlichste Lösung wäre, das der Fotograf das aktuell genutzte Objektiv jedesmal manuell im Kameramenü auswählt. Genauso wird es grundsätzlich auch gemacht. Weil das aber umständlich ist und gern mal vergessen wird, begann man ab diesem Zeitpunkt, alle Objektive am Bajonett mit einer 6-bit-Codierung zu versehen, wodurch die Kamera das Objektiv automatisch erkennen und bereits selbständig auswählen kann. Zusätzlich bietet Leica bis heute den Service, auch ältere Objektive mit dieser Codierung nachzurüsten.

Beispiel für eine 6-bit-Codierung am Bajonett eines M-Objektives (Quelle: Leica)

Bei Fremdobjektiven gibt es natürlich weder einen 6-bit-Code noch einen Menüeintrag in der Kamera – und damit auch keine Optimierung. Hier kann man nur auf Erfahrungswerte aus dem Web zurückgreifen oder selbst probieren. Für das Voigtländer 15mm empfiehlt es sich zum Beispiel, in der Kamera das Leica Tri-Elmar-M 16/18/21 im Modus 16mm auszuwählen. Die Korrekturen, die die Kamera dann intern anwendet, passen auch sehr gut auf das Voigtländer. Ganz verrückte Anwender basteln sich sogar mit Hilfe von Schablonen den passenden 6-bit-Code auf das Bajonett, damit sie die Einstellung nicht jedesmal manuell vornehmen müssen.

Ich selbst nutze Fremdobjektive lediglich in Ausnahmefällen, z.B. wenn ich eine Brennweite nur sehr selten brauche. Grundsätzlich bin ich der Meinung, dass an einen M-Body auch ein M-Objektiv gehört. Wenn man aber eher preissensitiv unterwegs ist, oder einen anderen Style bevorzugt, kann auch ein viel günstigeres Voigtländer- oder Zeiss-Objektiv hervorragend abliefern. In diesem Gebiet möchte ich mich jedoch mit Tipps zurückhalten, denn das hat sehr viel mit persönlichem Geschmack zu tun – und vor allem würde die Beratung dann auch restlos ausufern.

Welcher Brennweiten-Typ bin ich?

Die grundsätzlichste Frage wäre zunächst, welche Brennweite man bevorzugt. Da sich mein Artikel ja an Fotografen richtet, die schon mit anderen Systemen Erfahrungen gesammelt haben, sollten hier bereits gewisse Präferenzen vorliegen. Hintergrund ist, dass man bei den Kosten des M-Systems nicht unbedingt gleich mit 3 verschiedenen Festbrennweiten loslegen kann, sondern sich zunächst auf ein Objektiv beschränken muss (erst Recht, wenn man nur „ausprobieren“ möchte) – und dieses Objektiv sollte dann natürlich zu einem passen.

Idealerweise horcht man dazu etwas in sich hinein und fragt sich, was man denn so fotografiert. Eher Portraits oder eher Landschaften? Mag man größere Blickwinkel lieber, oder bevorzugt man Details? Welche Brennweiten hat man bisher am häufigsten genutzt? Möchte man sich viele Optionen offenhalten oder auf ein Genre konzentrieren? Meiner Meinung nach gibt es zwei Grundtypen von Fotografen. Der 50mm-Typ geht eher in die Richtung Portrait, Details, Street, konzentrierte Blickwinkel, während der 28-35mm-Typ eher universell unterwegs ist.

Am Ende sollte man sich also grob zwischen 28-35mm oder 50mm entscheiden können und das führt einen dann zur zukünftigen primären Brennweite und damit zum ersten Leica-Objektiv.

Objektive für den 28-35mm-Typ

Ich persönlich zähle zu genau dieser Gattung, bin also fotografisch eher universell unterwegs. Die früher sehr beliebten 35mm haben sich aber mittlerweile etwas nach unten verschoben und oft hört man: „28mm sind die neuen 35mm.“ Man muss hier also noch eine zweite Entscheidung treffen. Ist man eher der klassische Typ (35mm) oder der moderne Typ (28mm). Um dazu eine kleine Entscheidungshilfe zu liefern: ich bevorzuge 35mm, weil es dort mehr Objektiv-Auswahl und mehr Lichtstärke zu einem vertretbaren Preis gibt und weil ich als Brillenträger den 28mm-Leuchtrahmen im Messsucher eh nicht richtig überblicken kann. Andererseits sorgen 28mm für mehr Bildinhalt (gewürzt mit einer kleinen Prise Drama) und können bei Städte-Trips oder Umfeldportraits ungeheuer nützlich sein. Nicht umsonst sind 28mm die Smartphone-Brennweite.

Sollte sich der geneigte Leser nun für 28mm entscheiden, gibt es von mir genau einen Tipp. Wer bei Leica mit dieser Brennweite einsteigen möchte, wird um das Leica Elmarit-M 28mm F2.8 Asph nicht herumkommen. Dieses Objektiv ist extrem klein und leicht, optisch perfekt und im günstigsten Falle gebraucht für 1.200 EUR* bis 1.500 EUR* zu erwerben. Aus meiner Sicht gibt es in der M-Welt schlicht nichts, was bei 28mm ein besseres Preis-Leistungsverhältnis vorweisen kann. Es gibt Leute, die haben das Teil mit ihrem M-Body quasi verlötet. Ich habe noch nie irgendwo im Web auch nur ein schlechtes Wort darüber gelesen. Klar sind das 28er Summicron oder gar das 28er Summilux technisch besser (vor allem halt lichtstärker), aber selbst, wenn ich das viele viele Geld für diese Optiken hätte, würde ich trotzdem das klitzekleine und extrem leichte Elmarit nehmen. Ich habe mal eins besessen und wieder verkauft (wofür ich mich heute noch ohrfeigen könnte) – hier ist mein Testbericht dazu.

Man sollte nie von der Größe auf die Leistung schließen – das Elmarit-M 28mm F2.8 asph ist extrem klein, extrem leicht und extrem gut.

Voigtländer bietet für ca. 500 EUR* das Ultron 28mm F2.0 an, allerdings ist dieses Objektiv auch größer, schwerer und nicht ganz so perfekt wie das Elmarit. Zudem hat es natürlich keine 6-bit-Codierung.

Kommen wir nun zur altbekannten und bewährten 35mm-Brennweite, der wohl universellsten Brennweite überhaupt. Ein gutes 35mm-Objektiv wird man wahrscheinlich für immer besitzen und nie wieder verkaufen, daher sollte man hier weise wählen!

Mein absoluter Tipp für den Einstieg (und darüberhinaus!) ist das Summarit-M 35mm F2.4 Asph. Dieses Objektiv kann man gebraucht schon ab ca. 1.200 EUR* erwerben und eigentlich hat man damit ausgesorgt. Ich möchte betonen, dass es sich hier um ein durch und durch professionelles Objektiv handelt, auch wenn die Summarite in der Leica-Welt fälschlicherweise manchmal als „Einstiegs-Optiken“ angesehen werden. Das 35er-Summarit ist sehr klein, leicht und optisch ausgezeichnet mit einem super Bokeh. Blende 2.4 mag in der Leicawelt zunächst mau klingen, man kann mit dem Summarit aber trotzdem gut freistellen und übertrifft dabei immer noch die gängigen Profi-Zooms mit F2.8.

Das 35er Summarit gibt es in silber oder schwarz.

Kleiner Tipp: es gibt von diesem Summarit eine ältere Version mit Blende F2.5, die konstruktiv nahezu identisch sein soll, preislich aber manchmal noch etwas günstiger ist.

Der „große Bruder“ des Summarit ist das Leica Summicron-M 35mm F2.0 Asph. Das Summicron ist optisch in der Summe aller Eigenschaften etwas besser, es wird ihm jedoch ein leicht harscheres Bokeh nachgesagt. Es hat eine geringfügig höhere Lichtstärke, ist dafür aber auch wesentlich teurer (hier gehts zu meinem Testbericht). Für ein gebrauchtes Modell der letzten Generation muss man etwa 2.000 EUR* – 2.300 EUR* einplanen. Damit fällt das Summicron-M für mich schon fast aus der „Schnupperempfehlung“ heraus, ebenso wie das High-End-Summilux 35mm (da reden wir lieber gar nicht erst über den Preis).

Das Summicron-M 35mm F2.0 ist eine Institution, vielleicht das 35mm-Objektiv schlechthin. Allerdings auch nicht ganz preiswert.

Weil wir gerade beim Thema „Preis“ sind; wenn die M240 schon zu hart ins Budget eingeschlagen hat und für das Objektiv nicht mehr so viel übrig ist, kann man vielleicht auch mit Voigtländer glücklich werden. Voigtländer bietet ein reiches Portfolio von 35mm-Optiken, mit Lichtstärken von F1.2(!) bis hin zu F2.5 und Gebrauchtpreisen zwischen rund 300 EUR* und 900 EUR* (je nach Optik). Zu beachten wäre hier, dass diese Objektive meist einen eher klassischen Charakter haben, d.h. bei Offenblende eher weich abbilden und auch sonst nicht ganz so perfekt wie ihre Leica-Gegenstücke sind. Die Fertigungsqualität ist allerdings ausgezeichnet. Ich persönlich habe das 35mm F1.4 Nokton II und das 35mm F1.2 Nokton II ausprobiert. Ersteres war mir vom Look her zu „klassisch“, letzteres konnte mich nur deutlich abgeblendet wirklich begeistern. Die gesamte 35mm-Palette von Voigtländer hat viele treue Fans und wer auf den eher offenblendig weichen Retrolook steht (das meine ich gänzlich wertungsfrei!) oder eher Optiken mit „Charakter“ mag, kann hier für relativ schmales Geld sehr glücklich werden.

Das Voigtländer Nokton Classic 35mm F1.4 SC/MC ist klein und hochwertig, allerdings bei Offenblende etwas weicher. Der Gebrauchtpreis liegt bei unschlagbaren 350-450 EUR*

Das Voigtländer Nokton 35mm F1.2 ist sehr groß und schwer, bietet aber für ca. 900 EUR* (gebraucht) eine sehr hohe Lichtstärke. Auch dieses Objektiv ist zwar gut, aber optisch nicht perfekt. Es hat dennoch viele Fans.

Das bringt mich zum Fazit im Bereich 35mm. Für mich persönlich ist eine Leica M240 mit einem Summarit-M 35 F2.4 die perfekte Kombi, um nicht nur in das System einzusteigen, sondern auch viele Jahre zufrieden und glücklich zu sein. Mit etwas Glück und Geduld kann man diese Kombination für insgesamt runde 4.000 EUR* bekommen. Das ist natürlich viel Geld (bitte den hohen Wiederverkaufswert für den Fall der Fälle beachten!), damit erhält man aber ein professionelles und universelles Paket mit Top-Leistung.

Objektive für den 50mm-Typ

Auch hier muss ich nicht lange nachdenken. Auf Anhieb kommt mir das kleine Leica Summicron-M 50mm F2.0 in den Sinn – mein persönlicher Geheimtipp in diesem Bereich (nicht zu verwechseln mit dem immens teuren Apo-Summicron 50mm!). Die optische Rechnung dieses Objektives ist wirklich uralt und es muss ohne Asphären auskommen. Trotzdem zeichnet es bei Offenblende sehr scharf und bietet ein schönes, weiches Bokeh. Man sollte beim Kauf darauf achten, dass es sich um den Typ V handelt (der aktuellste Typ) und der 6-bit-Code vorhanden ist. Mit etwas Glück kann man dieses kleine, leichte und nahezu perfekte 50er gebraucht für ca. 1.200 EUR* ergattern.

Klein aber fein: Summicron-M 50mm F2.0 Typ V

Ähnlich empfehlenswert aber ein wenig lichtschwächer ist das Leica Summarit-M 50mm F2.4 (die ältere Version mit F2.5 ist weitgehend identisch). Das kostet – für Leica-Verhältnisse sensationelle – 1.600 EUR* im Neuzustand, gebraucht kann man es für unter eintausend Euro* ergattern – was es zum absoluten Leica-Budget-Tipp macht, wenn man mit F2.4 auskommt. Optisch gibt es ansonsten auch hier nichts zu meckern. Im Gegenteil – wie oben schon geschrieben, hat die Summarit-Linie viele begeisterte Fans.

Top Leistung, Blende und Preis moderat – Das 50er Summarit-M F2.4.

Ausnahmsweise nehme ich in diese Liste noch das Leica Summilux-M 50mm F1.4 Asph FLE auf, das „günstigste“ Summilux. Diese Optik geht auf dem Gebrauchtmarkt mit sehr viel Glück für rund 2.800 EUR* über den Tresen und damit fällt es eigentlich aus meinen Empfehlungen hier heraus. Wer aber unbedingt zumindest ein Summilux besitzen möchte und es sich leisten kann, sollte hier zuschlagen – die Leistung ist wirklich fantastisch. Wichtig ist es, auf die Version zu achten; es sollte idealerweise die mit dem floating element (FLE) sein. In meinem Testbericht gehe ich näher auf die Hintergründe dazu ein.

Teuer, einzigartiger Charakter, Traumoptik: das Summilux-M 50mm asph FLE.

Ein Budget-freundlicher Vertreter der Marke Voigtländer soll in dieser Aufstellung natürlich auch nicht fehlen. Über das 50mm Nokton F1.5 asph liest man sehr viel positives (mir fehlt hier die persönliche Erfahrung) und mit ca. 800 EUR* Neupreis und runden 500 EUR* Gebrauchtpreis ist man durchaus „günstig“ dabei. Voigtländer bietet im 50mm-Bereich noch deutlich lichtstärkere Optionen an, die sind dann allerdings auch wieder recht wuchtig und bei Offenblende eher weich – was für Portraits natürlich auch von Vorteil sein kann.

Mein Fazit im 50mm-Bereich habe ich ja eigentlich schon vorweggenommen: der Budget-Tipp ist das Summarit-M 50mm F2.4 (oder die ältere Version mit F2.5), der Geheimtipp das Summicron-M 50mm F2.0 (Version V).

Spezialbrennweiten

In diese Kategorie fallen für mich Objektive, die man nicht unbedingt täglich nutzt. Das sind bei mir einerseits Telebrennweiten, andererseits Superweitwinkel.

Bei den Telebrennweiten braucht man im Leicaland gar nicht lange zu suchen. Die Summarite mit 75mm (F2.4) und 90mm (F2.4) bieten so eine perfekte Mischung aus gutem Preis und Qualität, dass man eigentlich gar nichts anderes empfehlen kann. Zum Summarit-M 90mm F2.5 (der Vorgänger der F2.4-Variante, technisch aber weitgehend identisch) kann ich hier mit einem Testbericht dienen. Nicht umsonst liest man über die Summarite nur positives und ich kann das absolut bestätigen. Beide kann man gebraucht für jeweils ca. 800-900 EUR* erwischen und man kann auch bedenkenlos bei den weitgehend identischen Vorgängern mit Blende F2.5 zugreifen.

Summarit-M 90mm F2.4, preiswert und richtig gut

Bei den Superweitwinkeln ist es nicht ganz so trivial. Zunächst einmal muss man sich für eine Brennweite zwischen 10mm und 24mm entscheiden – das ist nämlich die Bandbreite, die man bei Voigtländer oder Leica insgesamt bekommen kann. Ich habe im Laufe der Jahre alles ausprobiert und bin schließlich auf 18mm als Optimum gekommen. 18mm lassen sich in der Architektur- oder Landschaftsfotografie gut einsetzen und erzeugen schon eine Menge Drama, wirken aber trotzdem noch „gefällig“, selbst wenn Personen im mittleren Bildbereich dabei sind. Im Leicaland war daher für mich immer das Super-Elmar-M 18mm F3.8 asph das Maß aller Dinge (hier mein Testbericht). Allerdings kostet das gute Stück selbst gebraucht noch gern zwischen 1.800 EUR* und 2.000 EUR* und ist damit nicht direkt ein Schnäppchen. Voigtländer bietet leider keine 18mm-Brennweite an, sondern wahlweise 15mm oder 21mm. Müsste ich mich in diesem Falle entscheiden, würde ich das Voigtländer 15mm F4.5 Super Wide Heliar III wählen. Diese Optik ist nur minimal weicher als ein Leica-Objektiv, zeigt aber insgesamt auch in den Randbereichen eine beachtliche Performance. Es kann mit einem sehr guten Preis aufwarten (Neupreis 750 EUR*, Gebrauchtpreis um 500 EUR*), man sollte nur beachten, wirklich die Version III zu nehmen, da nur diese Variante optimal für moderne Sensoren auskorrigiert ist (die älteren Varianten waren eher für Film geeignet). Unter 15mm würde ich übrigens nicht mehr gehen, da der Look dann doch schon sehr speziell wird und das Anwendungsgebiet sich zunehmend verkleinert.

Wer die 21mm lieber mag, erhält bei Voigtländer auch eine schöne Auswahl an teilweise sehr fair bepreisten Optiken dieser Brennweite, zu denen ich allerdings keine Erfahrungswerte habe.

Schließlich noch ein kleiner Tipp für alle, die eher auf moderate Weitwinkel stehen: das Elmar-M 24mm F3.8 Asph ist ein sehr alltagstaugliches Objektiv mit leicatypisch perfekter Bildqualität. Man kann damit schon etwas Drama erzeugen, die Bilder wirken aber trotzdem noch nicht zu übertrieben. Ich empfinde es als gute Ergänzung zum 35mm-Objektiv. Allerdings muss man hier gebraucht zwischen 1.500 EUR* und 1.900 EUR* berappen.

Kommen wir zum Fazit. Für den Telebereich empfehle ich ganz klar die sehr guten und budgetfreundlichen Summarite (75mm oder 90mm). Für den Superweitwinkelbereich gibt es einmal den Budget-Tipp für das Voigtländer 15mm Heliar III, für alle Perfektionisten mit etwas mehr Kleingeld hingegen das Super-Elmar-M 18mm von Leica.

Pakete packen

Damit können wir nun unsere Empfehlungspäckchen schnüren. Für runde 4.000 EUR* kann man mit etwas Glück und Jagdinstinkt (von privaten Verkäufern) eine gebrauchte M240 mit entweder Summarit 35mm / Elmarit 28mm oder Summarit 50mm / Summicron 50mm erwerben. Dies sind wirklich kompromisslose Bundles, die nicht nur den perfekten Einstieg in die Messsucherwelt ermöglichen, sondern auch darüberhinaus professionell uneingeschränkt einsetzbar sind.

Zieht man die Produkte von Voigtländer hinzu, kann es je nach Objektiv auch deutlich günstiger gehen. Mit etwas Geduld kann man durchaus eine M240 und ein Voigtländer 35mm F1.4 für insgesamt runde 3000 EUR* (von privaten Verkäufern) bekommen. Allerdings muss man dann mitunter den einen oder anderen kleinen Abstrich (z.B. Schärfe bei Offenblende) machen. Das Gesamtniveau ist allerdings immer noch sehr hoch und so mancher Portraitfotograf wird eher damit liebäugeln als mit leica-typischer klinischer Schärfe.

Je nach Geldbeutel und Bedarf kann man dieses Standard-Setup dann noch nach oben oder unten ergänzen, im Telebereich durch die fabelhaften Summarite, im Superweitwinkelbereich je nach Häufigkeit der Anwendung durch die (Super)-Elmars (teuer) oder das Umfangreiche Voigtländer-Lineup. Es ist hierbei anzumerken, dass die Voigtländer-Objektive bei diesen Brennweiten (in der jeweils aktuellsten Version!) sehr gut sind und eventuelle leichte Suboptimalitäten wie Randschärfe etc. in diesem Bereich der Fotografie (Architektur, Landschaft) eh durch die üblicherweise stärkere Nachbearbeitung oft ausgeglichen werden.

Schlusswort und weitere Empfehlungen

Als ich 2012 in die M-Fotografie einstieg, war die Gesamtsituation deutlich ungünstiger. Damals war die M9 gebraucht relativ teuer und die M240 gab es noch nicht. Zum „reinschnuppern“ kam daher finanziell nur die M8 in Frage, die aber auf Grund diverser Einschränkungen für mich nur als Zweitkamera taugte. Dieses Problem mit der „Zweigleisigkeit“ räumte für mich erst die M240 aus, dank der ich mich dann ganz auf das M-System konzentrieren konnte. Heutzutage hat man es da einfacher. Die M240 steht für relativ moderate Preise (nach Leica-Maßstäben) als vollwertiges Gerät bereit und man kann das gute Stück nutzen, ohne dabei Kompromisse eingehen zu müssen.

Abschließend möchte ich noch auf zwei sehr interessante Videos von Neunzehn72.de aufmerksam machen, in denen noch viele weitere interessante Objektive besprochen und vorgestellt werden, die für den potentiellen M-System-Einsteiger von Interesse sein könnten. Dabei sind vor allem ältere Schätzchen und auch Zeiss – also die ganzen Themen, um die ich mich hier herumgedrückt habe. Ich halte diese Videos für absolut anschauenswert!

 

* die hier genannten Preise beziehen sich auf den Zeitraum um 10/2019